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Leserbriefe zum Thema:

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Ein katholisches Gymnasium in Göttingen?

Informations- und Diskussionsveranstaltung 
am 3. Februar 2004

  • Dr. Jörg-Dieter Wächter, Leiter der Hauptabteilung Bildung beim Bistum Hildesheim
  • Oberlandeskirchenrätin Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Landeskirchenamt der hannoverschen Landeskirche / Dezernentin für das Schulwesen
  • Rolf Becker, Vorsitzender des Schulausschusses des Rates der Stadt Göttingen,
  • BÜNDNIS 90/Die Grünen
  • Dr. Heribert Piontkowitz, Schulleiter am Otto-Hahn-Gymnasium
  • Bernd-Rüdiger Rehme-Lüdemann, Vorsitzender des Stadtelternrates

Moderation:

Dr. Achim Block 

Die Pläne des Bistums Hildesheim, ein neues Gymnasialangebot (Sekundarstufe I) an der katholischen Bonifatiusschule einzurichten, sorgen in Göttingen für Aufsehen. Unruhe ist vor allem darüber entstanden, daß dieses Vorhaben ohne Informationsaustausch mit den anderen Kirchen oder Schulen weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit entwickelt wurde.

Inzwischen gibt es eine kontrovers geführte Diskussion, aber noch immer mangelt es an sachlicher Information über die Argumente von Befürwortern und Gegnern. Dem soll die geplante Veranstaltung abhelfen. Sie wird Informationen aus erster Hand zugänglich machen und die Diskussion der pädagogischen Ziele, der schulpolitischen Absichten und der Konsequenzen für den Schulstandort konstruktiv voranbringen.

Zentrale Fragen:

- Welche Ziele verbindet das Bistum Hildesheim mit dieser Einrichtung?

- Wie stehen die beiden großen Kirchen zu konfessionellen Schulen?

- Was bedeutet diese Initiative für die Stadt Göttingen und welche Auswirkungen auf das bestehende Schulangebot vor Ort wird sie haben?

- Kann die Initiative des Bistums noch scheitern? 

 

 

 

GT 31.1.04 / Leserbrief

Inflation der Angebote - Qualität leidet

Bericht: "Katholisches Gymnasium-Danielowski macht Dampf", vom 12. Januar.

Es ist sehr lobenswert, dass das Tageblatt in den vergangenen zwei Wochen ausführlich über die Absicht der Bonifatiusschule, sich um einen Gymnasialzweig anzureichern berichtet hat. Ohne die Berichte wäre das Vorhaben ganz sicher still und heimlich, in trauter Zusammenarbeit von Bischof und Kultusininister, so weit gefördert worden, dass der Rat der Stadt Göttingen - und erst recht die Bürgerschaft - nur ahnungslose Kopfnicker gewesen wären

Die Sache ist aber zu wichtig, um undiskutiert durchlaufen zu dürfen. Im Grunde geht es hier um einen Konflikt zwischen Partial- und Allgemeininteresse. Die Bonifatiusschule will, nachdem sie durch die letzte "Schuleform" die Klassen 5 und 6 verloren hat, diese in anderer Form zurückzugewinnen Es geht also um Bestandssicherung, was als Partialinteresse der Schule legitim ist. Die Frage ist jedoch, ob das Vorhaben im kommunalen Allgemeininteresse liegt; und in dieser Hinsicht habe ich Bedenken.

Das betrifft erstens die Gefahr der Inflationierung des gymnasialen Schulwesens. Man bedenke: Wir haben jetzt fünf Gymnasien in der Stadt, dazu kommen zwei Gesamtschulen mit gymnasialem Zweig. An der Bonifatiusschule entstünde, kommen die Pläne durch, eine dritte (katholische) Gesamtschule mit gymnasialem Zweig - zunächst nur bis zur 10. Klasse. Aber es ist klar, dass später auch eine Oberstufe hinzukäme.

In der Summe hätten wir also in Göttingen acht gymnasiale "Angebote". So etwas nenne ich schädliche Inflation, die Qualität wird darunter leiden. Dasselbe erlebten wir mit den Universitäten. Fast in jeder größeren Stadt im Lande wurde in den letzten Jahrzehnten eine "Universität" gegründet: das Ergebnis ist verheerend, nicht nur finanziell. Wie sagte doch Johann Wolfgang so schön: "Getretener Quark wird breit, nicht stark!"

Zum zweiten entstünde erstmals in Göttingen ein konfessionelles Gymnasium (staatlich finanziert, versteht sich). Das würde einen Präzedenzfall schaffen. Was den Katholiken recht ist, sollte Lutheranern und Reformierten billig sein! Die staatlichen (Iaizistischen) Gymnasien könnten dann irgendwann in der ,Minderheit sein -wie heute schon in Hildesheim.

Von den Ratsparteien in Göttingen haben sich bisher SPD und Grüne gegen die katholische Offensive ausgesprochen, die Grünen eindeutig (s. GT vom 9. 1. 2004), die SPD ein wenig lauwarm, aber immerhin Es liegt im Interesse der Mehrheit der Göttinger Bürger, dass der Plan im Schulausschuss und im Rat abgelehnt wird.

Dieter Wasshausen, Göttingen

 

 

 

GT 16.1.04 / Leserbrief

Warum die Aufregung?

Bericht: "Katholisches Gymnasium - Danielowski macht Dampf", vom 12. Januar.

Bei der Diskussion um die Einrichtung eines gymnasialen Zweiges an der Bonifatiusschule hat man den Eindruck, dass es in Göttingen Kreise gibt, die sich sonst bei Mitbestimmung und Erfüllung des Elternwillens hervortun, aber in diesem Fall gern ins 18. Jahrhundert zurück möchten.

Damals wurde die erste katholische Kirche (St. Michael) nach der Reformation in Göttingen gebaut. Sie durfte keinen Kirchturm haben und musste so in die Häuserzeile eingebaut werden, dass sie nicht als Kirchengebäude auffiel.

Wenn Eltern das Angebot eines gymnasialen Zweiges an der Bonifatiusschule wünschen und ihre Kinder dorthin schicken wollen, dann wird durch die Einrichtung dieses Schulzweiges dem Elternwunsch Rechnung getragen und es wird mehr Eltern als heute geben, die mit dem Schulangebot in Göttingen zufrieden sind.

Wollen nicht genügend Eltern dieses Schulangebot für ihre Kinder, so erledigt es sich von selbst. Warum die ganze Aufregung?

Sollte die Meldung zutreffen, dass die Leiter der Göttinger Gymnasien wegen der beabsichtigten Einrichtung eines Gymnasialzweiges an der Bonifatiusschule dem Neujahrsempfang der Katholiken geschlossen fern geblieben seien  diesen Grund des Fernbleibens kann ich mir nicht bei allen vorstellen  so wäre das kein Zeichen von Souveränität sondern von Engstirnigkeit und Intoleranz.

Gerhard Gerling, Gleichen

 

 

 

GT 31.1.04 / Leserbrief

Wie Zieten aus dem Busch

Berichte: "Kirche verkündet eine Schule, die es gar nicht gibt", vom 19. , "SchülerUnion für Konkurrenz", vom 22. Januar.

Die Hildesheimer Interessen sind nicht gleich laufend mit den Göttinger Notwendigkeiten. Was wir hier nicht brauchen (bei abnehmenden Schülerzahlen erst recht nicht) ist ein weiteres Gymnasium. Damit sind wir ausreichend und -übrigens auch hinsichtlich "christlicher Wertschöpfung" -bestens versorgt. Dennoch bleibt es natürlich dem katholischen Bischof unbenommen, in Wahrnehmung seiner Interessen einen Antrag zu stellen auf ein neues Gymnasialangebot (auf Sekundarstufe 1) an der katholischen Bonifatiusschule.

Was mich dabei betrübt, ist die Vorgehensweise: Wie Zieten aus dem Busch.

-, Keine vorausgehende Fühlungnahme mit der evangelischen Kirche. Das ist nicht ökumenisch.

- Keine Berücksichtigung der in Göttingen vor zehn Jahren diesbezüglich geführten Diskussion. Das ist nicht sensibel.

- Keine - wenn das Thema "Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft?" nun wieder auf den Tisch kommt - keine öffentliche Diskussion jetzt. Das ist nicht demokratisch.

- Keine Einbindung der bestehenden Göttinger Gymnasien und der örtlichen katholischen Kirche in die Hildesheimer Vorüberlegungen. Das ist nicht freundlich.

- Das Ganze im Galoppverfahren (Anfrage im November 2003 Entscheidung im Rat im Februar 2004, Schulanmeldungen bereits im Januar). Das ist nicht honorig.

DirkTiedemann, Göttingen

 

 

 

GT, 31.01.2004

Katholisches Gymnasium?
Diskussionsrunde

Göttingen (mib). Die Pläne des Bistums Hildesheim, an der katholischen Bonifatiusschule einen gymnasialen Zweig einzurichten, haben für Aufregung gesorgt. Eine Diskussionsveranstaltung der Evangelischen Stadtakademie will Klarheit schaffen. Erörtert werden Fragen nach dein Ziel der Einrichtung, die Standpunkte der beiden großen Kirchen zu konfessionellen Schulen und die Auswirkungen für Stadt und bestehende Schulen. Auf dem Podium sitzen Jörg-Dieter Wächter, Leiter der Hauptabteilung Bildung beim Bistum Hildesheim, Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, Rolf Becker, Vorsitzender des Göttinger Schulausschusses, Heribert Piontkowitz, Schulleiter am Otto-Hahn-Gymnasium und der Vorsitzende des Stadtelternrates Bernd-Rüdiger Rehme-Lüdemann. Beginn der Diskussion ist am Dienstag, 3. Februar, um 19.30 Uhr im Saal des Evangelischen Studienhauses, Von-Bar-Straße 2-4.

 

 

 

GT 31.01.2004

Gegen gymnasialen Zweig an Boni II

Schulausschuss lehnt die Verwaltungs-Vorlage ab / Stadtelternrat dafür

Göttingen (ic). Nach 45 Minuten Diskussion hat der Schulausschuss des Rates am Donnerstag mit Mehrheit die Einrichtung eines gymnasialen Sekundarstufe I-Zweiges an der katholischen Bonifatiusschule II abgelehnt. Die Verwaltung hatte als Schulträger in ihrer Vorlage der vom Bistum Hildesheim beantragten Erweiterung des Schulangebotes zugestimmt. Zusätzliche Kosten entstünden durch eine solche Einrichtung für die Stadt nicht. Doch für die SPD erläuterte Stephan Klecha eine ablehnende Position: Diese Konzept passe nicht in den Bedarf der Stadt, die bereits ein vielschichtiges Angebot vorzuweisen habe. Rolf Becker erklärte für die Grünen-Fraktion man vermisse bei dem Antrag der Bonifatiusschule ein Konzept: "Es gibt dort nichts, was es nicht anderswo schon gibt." CDU-Ratsherr Walter Mönkemeier drang mit seiner Auffassung nicht durch, man müsse doch den Elternwillen berücksichtigen, ein vielfältiges Angebot fördern und einer anerkannten Qualitätsschule ermöglichen, die ohnehin bereits sechs Gymnasiallehrer beschäftige, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Die FDP, vertreten durch Regine Eckel, will sich erst bei der Ratssitzung am 6. Februar entscheiden und die PDS erklärte ihre grundsätzliche Ablehnung einer Schule, bei der Staat und Konfession nicht getrennt seien. Als Elternvertreter im Ausschuss hatte Hans H. Althaus mitgeteilt: Der Stadtelternrat habe auf seiner Sitzung eine solche Einrichtung begrüßt. Der Sitzung war eine Besichtigung der Geschwister-Scholl-Gesamtschule vorausgegangen.

 

 

 

GT 05.02.2004

Wer braucht katholisches Gymnasium?

Grüne und SPD sehen Einrichtung neuer Schulzweige als problematisch an

Duderstadt (sr). "Braucht Duderstadt überhaupt eine katholische Realschule und ein katholisches Gymnasium?" Diese Frage wirft der Ratsherr der Grünen, Hans-Georg Schwedhelm, in die zurzeit geführte Debatte um die mögliche Erweiterung der St. Ursula Schule um einen Realschul- und einen Gymnasialzweig.

In Göttingen werde eine durchaus öffentliche Debatte über die Schaffung eines katholischen Gymnasiums geführt. In Duderstadt dagegen unterbleibe diese Auseinandersetzung. Schwedhelm: "Im Rahmen einer Geheimdiplomatie zwischen dein Bistum Hildesheim, Herrn Schuldezernenten Wucherpfennig (CDU) und unter Federführung des Landtagsabgeordneten Lothar Koch (CDU) ist das Projekt 'eingestielt' worden. Den von den Maßnahmen betroffenen Schulleitern und Lehrerkollegien wurde ein Maulkorb verpasst."

Schließlich müsse man auch sehen, dass an der Duderstädter Realschule und am Gymnasium ein Unterricht erteilt werde, dem es sicherlich an christlichen Werten nicht mangele. Das eigentlich Erschütternde in Duderstadt sei, dass öffentliche Kritik am Handeln des Bistums nicht stattfinde. Schwedhelms Forderung: Nach dem Verlauf der Diskussion in Göttingen muss das Thema auch in Duderstadt auf den Tisch. Alle Beteiligten sollten in gemeinsamen Gesprächen eine sachgerechte Entscheidung treffen.

Auf rechtliche Probleme dieses Themas macht der Kreistagsabgeordnete Reinhard Dierkes (SPD) aufmerksam. Die Einrichtung eines Realschul- und Gymnasialzweiges an der St. Ursula Schule würde faktisch der Gründung einer Kooperativen Gesamtschule entsprechen. Im Schulgesetz aber gebe es ein klares Verbot der Einrichtung neuer Gesamtschulen. Der Trick des Generalvikariats, deshalb an Stelle von Gymnasialzweigen selbstständige Gymnasien zu errichten, stoße sicherlich an finanzielle Grenzen, denn private Schulen, die nicht Konkordatsschulen sind, werden finanziell deutlich schlechter gestellt und bekommen in den ersten drei Jahren nach Gründung überhaupt keine Zuschüsse.

Dierkes: "Sollte es dem Generalvikariat gelingen, die Landesregierung davon zu überzeugen, auch die neuen privaten Gymnasien nach Konkordatsbedingungen zu fördern, wäre eine Novellierung des Schulgesetzes notwendig. Darin müsste auch ein Entscheidungsvorbehalt für den Schulträger eingearbeitet werden. Und spätestens hier wäre dann der Kreistag wieder im Spiel. Es kann noch spannend werden."

 

 

 

 

 

von links nach rechts: Rehme-Lüdemann, Dr. Gaefgen-Track, Dr. Wächter, Graab

 

 

 

 

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