Gibt es einen gerechten Krieg?

am 14. März 2003
Saal der St. Johannis-Gemeinde, Johanniskirchhof in Göttingen

Referenten:

Admiral aD Dieter Wellershoff, ehem. Generalinspekteur der Bundeswehr

Gibt es einen gerechten Krieg? - Anmerkungen aus völkerrechtlicher und persönlicher Sicht.

PD Dr. Michael Haspel, ev. Theologie, Marburg

Gibt es es einen gerechten Krieg? Die prima ratio des Gerechten Krieges und die ultima ratio legitimer militärischer Gewaltanwendung.

Moderation:

PD Dr. Tom Kleffmann

 

 

ez 23.03.03

Gibt es einen "gerechten" Krieg?

Evangelische Stadtakademie Göttingen lud zur Diskussion ein

Göttingen. "Nein, es gibt keinen gerechten Krieg. Krieg ist immer mit Unrecht verbunden." Dieses eindeutige Statement stellte der Theologe Michael Haspel vom Zentrum für Konfliktforschung in Marburg an den Beginn seines Vortrages vor rund 50 Zuhörern im Saal der Johannisgemeinde. Im Rahmen der Vorträge der Evangelischen Stadtakademie Göttingen sprachen Haspel und der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Admiral a.D. Dieter Wellershoff, zum Thema "Gibt es einen gerechten Krieg?"

Obwohl Krieg nicht gerecht sein könne, seien kriegerische Aktivitäten im Sinne eines "organisatorischen Pazifismus" unter Umständen gerechtfertigt, differenzierte Haspel. Nach ökumenischem Verständnis müsse jedoch die Grundorientierung christlicher Friedensethik der gerechte Frieden sein.

Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Wohlfahrt seien die vier Säulen des Friedens, erläuterte Wellershoff. Wo eine dieser Säulen fehle, könnte eine Intervention situationsbedingt gerechtfertigt sein.

Als alleräußerstes Mittel, so führte Haspel aus, sei ein kriegerisches Einwirken geboten. Ein frühes Eingreifen in Ruanda, ist Haspel überzeugt, hätte viel Leid verhindern können. Im Kosovo hingegen sei das Ziel der Intervention nicht klar definiert gewesen. Sechs Kriterien müssten geprüft werden:

Der Grund und das Recht zum Eingreifen, die Befugnisse, mögliche Alternativen, die Wahrung der Verhältnismäßigkeit, die Aussicht auf Erfolg und ob das Ziel der Frieden sei. Diese Kriterien seien bei der Irakkrise nicht erfüllt, schlug Haspel den Bogen zur aktuellen Diskussion.

Die internationalen Strukturen, Bündnisse, sicherheitspolitische Aspekte und die Entwicklung der internationalen Rechtsordnung seien so kompliziert geworden, dass die meisten Politiker den Überblick verloren hätten, sagte Wellershoff. Neue Formen der Kriegsführung und der so genannte asymmetrische Krieg, mit Terroristen auf der einen Seite und Staaten auf der anderen, machten bewusst, wie empfindlich die Zivilisation tion sei. Verantwortliche Politiker müssten präventiv handeln, betonte der ehemalige Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik und bemängelte bei den Politikern ein "bängliches Zögern und Zuständigkeitsgerangel".

Wie weit das Recht auf individuelle Verteidigung gehe und ob es ein Völkerrecht zur Nothilfe gebe, beantwortete Wellershoff mit Luthers Gemeinwohlverpflichtung der Christen, nach der aus Nächstenliebe auch mit dem Schwert zu antworten sei. Das Handeln müsse in einer Verantwortungsethik die auch von Gesinnung getragen sein könnte, geschehen und von der persönlichen Verantwortung des Einzelnen nach ethischen Maßstäben geprägt sein.

Verena Leidig

Gibt es einen gerechten Krieg? Theologe Michael Haspel, Moderator Tom Kleffmann und Admiral a.D. Dieter Wellershoff (v.I.). Foto: Verena Leidig

 

 

 

 

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