Presse - siehe unten.

Strafvollzug 2007 - Anspruch und Wirklichkeit in der JVA Rosdorf

Die Eröffnung der neuen Haftanstalt in Rosdorf wurde in der örtlichen Presse mit Sonderseiten begleitet und gefeiert. Dabei standen die Vorzüge der neuen Technik und die Sicherheit der Anstalt im Mittelpunkt. Für das interessierte Publikum war eine Nacht im Gefängnis das herausragende Event. Das Klischee vom Gefangenen, der gut versorgt einsitzt, wie auch der Ruf nach härteren Haftbedingungen standen im Vordergrund.

Diese vorherrschende, oberflächliche Betrachtung bedarf der Korrektur und Ergänzung.

  • Was ist die Aufgabe unseres Strafvollzuges und warum investiert unsere Landesregierung in eine neue Strafvollzugsanstalt?

  • Wie passen Anspruch und Wirklichkeit des Strafvollzuges zusammen?

  • Was erreicht der Strafvollzug mit den derzeitig praktizierten Resozialisierungskonzepten? Eröffnen sie den Gefangenen Chancen für ein neues Leben?

Kurzreferate zum Einstieg:

  • Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (angefragt)
    Warum ein neuer Knast in Rosdorf? - Anforderungen an einen modernen Strafvollzug.

  • Prof. Dr. Martin Jehle, Universität Göttingen
    Der moderne Strafvollzug - Ergebnisse, Stärken und Schwächen

Podium:

Alltag im Strafvollzug - Erfolge, Entwicklungen, Widersprüche

mit

  • Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (angefragt)

  • Prof. Dr. Martin Jehle, Universität Göttingen

  • Pastor Thomas Harms, ev. Gefängnisseelsorger

  • Steffen Hörning, Strafverteidiger

  • Moderation:
    Reimar Paul, epd-Südniedersachsen

Saal der Kirchengemeinde St. Albani, Albanikirchhof 1 / Göttingen
20. November 2007 / 18:00 - ca. 20:30 Uhr

in Zusammenarbeit mit:

 

 

GT-Bericht / 23.11.2007:

„Die sitzen ihre Zeit doch nur ab“

Debatte zum Strafvollzug in Niedersachsen: Anspruch und Realität

 

Göttingen (afu). Sicherheit, Arbeit, Resozialisierung: Strafvollzug ist mehr, als einen Gefangen einfach einzusperren. Wie aber versucht man in Niedersachsen, einem Bundesland mit 14 Justizvollzugsanstalten (JVA), darunter eine neue in Rosdorf, diesem Anspruch gerecht zu werden? Mit Erfolgen, Entwicklungen und Widersprüchen im Strafvollzug befassten sich am Dienstagabend Experten und Bürger im Saal der Kirchengemeinde St. Albani.

Zuerst gab es jede Menge Fakten. Immerhin war Jürgen Oehlerking, Staatssekretär im Niedersächsischen Justizministerium, zu Gast bei der Veranstaltung der evangelischen Stadtakademie Göttingen, dem Institut für angewandte Kulturforschung und des Bildungswerkes Verdi.

203-mal lebenslänglich

Die Fakten: 14 JVA gibt es in Niedersachsen. Den Großteil der Gefangenen machen Männer aus, referierte Oehlerking. Rund 5600 sind das derzeit. Hinzu kommen rund 320 Frauen und 730 Jugendliche. Die größte JVA steht mit knapp 1000 Haftplätzen in Hannover. Zum Vergleich: Die JVA Rosdorf zählt rund 300 Haftplätze. Die durchschnittliche Verweildauer bei Männern betrage 139 Tage, bei Frauen 98 Tage, so Oehlerking. Eine lebenslängliche Haftstrafe verbüßten 192 Männer und elf Frauen, eine Freiheitsstraße zwischen zehn und 15 Jahren 86 Männer und keine Frau, eine zwischen fünf und zehn Jahren 424 Männer und neun Frauen. Kosten pro Tag pro Haftplatz: 86 Euro. Das Land Niedersachsen kostet der Strafvollzug im Jahr rund 200 Millionen Euro, wobei die Personalkosten mit 125 Millionen Euro den größten Teil ausmachen.

Oehlerking wies darauf hin, dass man dabei sei, ein neues Gesetz für den Strafvollzug auf den Weg zu bringen. Ziele: Resozialisierung, Leben ohne Straftaten führen, Allgemeinheit schützen. Der Arbeit im Vollzug komme dabei eine zentrale Rolle zu.

Prof. Martin Jehle von der Universität Göttingen rollte die Geschichte des Strafvollzugs auf. Seine These, dass zurzeit eine Tendenz vom Resozialisierungs- hin zum Sicherheitsvollzug bestehe, wurde anschließend kontrovers diskutiert. Ebenso wie der sogenannte Chancen-Vollzug, ein Eckpunkt des neuen Strafvollzugsgesetzes, mit dem man die Mitwirkungsbereitschaft der Häftlinge wecken möchte. Einige Bürger kritisierten zudem, dass viele Häftlinge, die eine Haftstrafe von bis zum einem Jahr verbüßen, nur eingeschränkt in die einzelnen Programme einbezogen würden. „Die sitzen ihre Zeit doch nur ab“, so ein Zuhörer.

GT / 23.11.2007

 

 

 

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